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Jäger, Förster und Naturschützer sind zur Mitwirkung bei Lockstockaktion aufgerufen
Rund 70 interessierte Teilnehmer aus Forst, Jagd, amtlichem und privatem Naturschutz und Kommunen hatten sich am Mittwoch, 16. November, zur gemeinsamen Infoveranstaltung von Naturpark, Forstlicher Versuchsanstalt und BUND Baden-Württemberg im Naturparkzentrum in Zaberfeld eingefunden.
Jäger, Förster und Naturschutzer, die sich in die weiteren Aktivitäten einbringen möchten, können sich an die Naturparkgeschäftsstelle wenden.
Der Rückmeldebogen als Pdf-Datei.
Im Frühjahr 2011 waren 8 Nachweise von Wildkatzen im Stromberg mittels der sogenannten Lockstockmethode gelungen. Was heißt das nun für Forst, Jagd und Naturschutz? Wie ist die aktuelle Situation der Wildkatze in Baden-Württemberg und im Naturpark zu bewerten? Was kann getan werden, damit sich die scheue Waldkatze im Naturpark heimisch fühlt? Diesen Fragen widmete sich die Infoveranstaltung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dr. Rudi Suchant und weitere Mitarbeiterinnen des Forschungsbereichs Wildtierökologie der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg stellten den aktuellen Forschungsstand zur Wildkatze in Baden-Württemberg, insbesondere das Wildkatzenprojekt am Kaiserstuhl, vor. Im Rahmen eines für den Zeitraum 2009 bis 2014 angelegten Forschungsprojekts wurden bisher 15 Wildkatzen im Kaiserstuhl und den angrenzenden Rheinauen gefangen und mit GPS-Halsbändern zur Gewinnung telemetrischer Daten versehen. Mit dem Biologen und Tierfilmer Manfred Trinzen stellte ein ausgewiesener Wildkatzenexperte Ausschnitte aus seiner Arbeit rund um den scheuen Waldbewohner in der Eifel vor. Trinzen und Suchant konnten mit einigen Erkenntnissen aufwarten, die vermeintlich sicheres Wissen zur Wildkatze komplett in Frage stellen. So leben etwa die Katzen in der Eifel nicht einzelgängerisch. Die Reviere einzelner, oft verwandter Tiere überschneiden sich teils beträchtlich. Einzelne Katzen benutzen gar (abwechselnd) gemeinsame Schlafplätze. Auch die ausschließliche Lebensweise in geschlossenen Wäldern konnte nicht bestätigt werden. Ein telemetrierter Kater ging überwiegend auf Wiesen auf Mäusejagd, oft bei hellem Tageslicht, und suchte den Wald nur zum Schlafen auf. Auch im Telemetrieprojekt rund um den Kaiserstuhl konnten sich überschneidende Streifgebiete nachgewiesen werden. Gerade junge Kater legen dabei teils beträchtliche Strecken zurück. Ein besendertes Tier schwamm dabei nachweislich durch den Rhein, regelmäßig werden Bundesstraßen überquert. Letzteres leider oft mit tödlichem Ausgang für die Katzen. Drei von fünf besenderten Katern am Kaiserstuhl fielen dem Verkehr zum Opfer. Naturparkgeschäftsführer Dietmar Gretter präsentierte die Ergebnisse der vom Naturpark initiierten Bachelorarbeit mit einer Lockstockaktion im Frühjahr 2011. Der Stromberg könne in vieler Hinsicht ideale Habitat-Bedingungen für die Wildkatze bieten, gewisse Defizite bestünden nach seiner Ansicht im Bereich ungestörter Jungenaufzuchtgebiete. Gretter stellte ein auf drei Säulen basierendes Maßnahmenbündel zum Schutz der Wildkatze im Stromberg vor, das neben der weiteren Bestandserfassung als Basis verschiedene Aktivitäten zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Verbesserung des Lebensraumes der Wildkatze vorsieht. Gretter forderte die Teilnehmer an der Infoveranstaltung auf, sich in ein Netzwerk zum Schutz der Wildkatze im Naturpark einzubringen und sich auch an der im kommenden Winter geplanten weiteren Lockstockaktion aktiv zu beteiligen. Ein entsprechender Rückmeldebogen könne von der Website des Naturparks heruntergeladen werden, so dass auch Interessierte, die nicht zur Infoveranstaltung kommen konnten, sich noch melden könnten. Gretter und Suchant betonten die Bedeutung einer engen Kooperation von Forst, Jagd und Naturschutz im Interesse der kleinen „Stromberg-Tiger“.Den Bezug zur Praxis stellte der Vortrag von Förster Jürgen Stahl vom Kreisforstamt Heilbronn mit vielfältigen Hinweisen zur Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes von ForstBW in der Revierpraxis her. Der Schutz alter Bäume und Baumgruppen trägt entscheidend zur Bereicherung der ökologischen Qualität des Waldes bei und hilft gerade auch der Wildkatze, für ihre Jungen sichere Aufzuchtplätze zu finden. Laura Bollwahn, Projektleiterin „Rettungsnetz Wildkatze“, und Birgit Eschenlohr vom BUND Baden-Württemberg, konnten schließlich interessante Umweltbildungsmaterialien präsentieren, die der BUND für Kindergärten und Schulklassen aller Altersstufen 2011 entwickelte. Die Wildkatzen-Umweltbildungskiste des BUND ist auch am Naturparkzentrum verfügbar und kann dort ausgeliehen werden. Das Infozentrum hält dazu einige weitere Informationen zur Wildkatze bereit. Die zertifizierten Naturparkführer des Naturparks bieten an, die Wildkatze im Rahmen von Projekttagen altersgerecht vorzustellen. Als attraktive heimische Wildtierart mit interessanter Biologie und anschaulichen Methoden der wildbiologischen Forschung ist die Wildkatze auch geeignet, als Thema für eine ganze Unterrichtseinheit zu dienen. Interessenten wenden sich dazu an das Naturparkzentrum.